Die private Krankenversicherung und die Gesundheitsreform


Auch die Versicherten der PKV spüren langsam aber sicher die Folgen der Gesundheitsreform. Die privaten Krankenversicherer werden härter und unnachgiebiger, wenn es um die Übernahme von Behandlungskosten geht.

Man versucht zu sparen und Kosten zu dämpfen. Trotz vielfacher Sparmaßnahmen wird es bei vielen Unternehmen der PKV Beitragserhöhungen geben. Der neue Basistarif ist den privaten Krankenversicherungen sowieso ein Dorn im Auge, denn ergilt als völlig unrentabel. Die Versicherten in den „Volltarifen“ werden, ob sie es nun wollen oder nicht, zur Finanzierung des Basistarifes herangezogen werden.

Ausgaben werden reduziert

Nicht zuletzt deshalb versuchen viele Krankenversicherer, ihre Ausgaben zu minimieren. Immer öfter müssen Versicherte der PKV Arztrechnungen selbst zahlen. Diese Praxis wird vermehrt angewandt, wenn die private Krankenversicherung neue Kunden mit niedrigen Beiträgen angezogen haben. Auf die Dauer ist diese Taktik zum Scheitern verurteilt. Deshalb setzen viele Unternehmen der PKV den Rotstift an, wo immer es ihnen möglich scheint.

Ombudsmann und Verbraucherschützer raten zur Beschwerde

Helmut Müller, Ombudsmann für die privaten Krankenversicherungen, bemerkt immer häufiger Unstimmigkeiten zwischen der PKV und ihren Kunden. Auch die Verbraucherzentralen verzeichnen ein stärkeres Aufkommen von derartigen Beschwerden. Offensichtlich handeln viele privaten Krankenversicherungen nach der Binsenweisheit, dass Kleinvieh auch Mist macht. Ombudsmann und Verbraucherschützer raten zu Reklamationen, sollten sich Versicherte ungerecht behandelt fühlen. Der Verband der PKV hat eine andere Sicht der Dinge. Die neue Praxis der Krankenversicherungen habe nichts mit mangelnder Zahlungsbereitschaft zu tun, sondern lediglich mit strengeren Prüfungen der Ausgaben.

Kosten langsamer gestiegen

Die Gesundheitsreform hat aber auch positive Wirkungen. So sind in Deutschland die Gesundheitsausgaben sehr viel langsamer angestiegen als in vielen anderen Ländern. Der deutschen Steigerungsrate von 1,8 Prozent jährlich in den Jahren 1995 bis 2005 stand eine Erhöhung von durchschnittlich vier Prozent in 29 Vergleichsländern der OECD gegenüber. Trotzdem ist zu befürchten, dass die Kosten langfristig steigen werden.

Demografische Entwicklung als „Preistreiber“

Was bei allen Maßnahmen und Reformpaketen fehlt, ist die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen und strukturellen Problemen wie der demografischen Entwicklung. Für Dr. Volker Leienbach, Direktor des PKV-Bundesverbandes, ist die Überalterung der Gesellschaft die größte Herausforderung für das Gesundheitssystem. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die sozialen Sicherungssysteme mit der Finanzierung durch Umlagen. Trotz bekannter Folgen werde diese Art der Finanzierung durch die Gesundheitsreform weiter unterstützt.

Kapitaldeckungsverfahren besser als Umlagefinanzierung

Bei der Kostendeckung durch Umlagen fließen die Beiträge der Versicherten sofort wieder in die Leistungen ein. Deshalb werden kaum Rücklagen gebildet, was für die Versorgung im Alter aber sehr wichtig wäre. Dagegen arbeiten die privaten Krankenversicherungen nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Die Altersrückstellungen gehören zu den bedeutenden Standbeinen der PKV. Von jedem Beitrag legt eine private Krankenversicherung einen Anteil beiseite, der zusätzliche Zinsen bringt. Jeder Versicherte sorgt also selbst dafür, dass auch zukünftige Leistungen erbracht werden können. Deshalb fordert Dr. Leienbach eine wirklich nachhaltige Reform des Gesundheitswesens mit einer verstärkt kapitalgedeckten Absicherung.

Weitere Quellen:

Krankenversicherungsvergleich

Die Gesundheitsreform – Bundesregierung

Der neue PKV Basitarif

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